Warum sagt man eigentlich FriseurSALON?

... im FriseurSALON
... im FriseurSALON

Ja, warum sagt man eigentlich FriseurSALON? Bei Meister Ali fällt mir die Antwort leicht: Konversation mit Händen und Worten und Gesten und in vielen schönen Facetten. Sein Geschäft nahe des gutbürgerlichen KuDamm nennt er “Tocca“ und seine Geschichte ist die einer gelungenen Integration. Ich erlaube mir diese pauschale Aussage. 

Es ist hier wie in einem großen, eleganten Wohnzimmer, in dem fast immer meine Lieblingsblumen stehen, langstielige und herrlich duftende Lilien in rosa oder weiß. Die Wand hinter dem schwarzglänzenden Tresen hat einen schönen Goldton, An der Wand eine Malerei, sie zeigt Marilyn Monroe. Ich frage mich jedes Mal, warum er es ausgesucht hat und vergesse regelmäßig, ihn danach zu fragen. An der Decke funkelt ein riesiger Kristallleuchter und der Kühlschrank beherbergt immer zumindest auch einen Prosecco. “Für mich bitte ein Wasser.“ …. Es ist noch vor 6 Uhr, ergänze ich im Kopf. Gut, die Kuckucksuhr, deren Kuckuck ich noch nicht gesehen habe und die Petroleumlampe mit dem bemalten Schirm irritieren mich immer ein wenig.

Geredet wird eigentlich immer, deutsch und türkisch sind die vorherrschenden Sprachen. Menschen kommen und gehen, viele Abstammungen, eine wunderbare Mischung. Erfrischend herzliche Friseurinnen mit den so schönen, edlen Gesichtern.

Ali ist der Entertainer, er spricht und begrüßt jeden, der kommt und geht und ist doch immer irgendwie mit Kamm und Schere an einem Kopf dran. Er geht mal zu dieser Kundin, mal zu jenem Kunden, gibt Tipps, Anweisungen, immer still und leise, immer verbindlich.

Das besondere an der Konversation in einem FriseurSALON ist, dass ich als Kunde immer das Thema vorgebe. Und wenn mir nichts einfällt, dann wird so lange an mir herumgefragt, bis ich ein Thema habe. Und über was ich dann reden kann und reden und reden. Und ich erzähle dann von Dingen, denen ich nicht mal einer Freundin zu frank und frei berichten würde. Ein Kuriosum und doch bin ich sicher, meine Gedanken bleiben geheim.

Gut, in einer Situation bleibe ich still. Dann, wenn ich auf der Massageliege entspanne und mir die aufgetragene Farbe aus dem Haar gewaschen wird. Kopfmassage eingeschlossen. Heute ist das Wasser etwas kalt. „Seit Mittag ist das so … “ seufzt Ali … „Und dich habe doch dem Hausmeister gleich Bescheid gesagt.“ 

Eine Mutter mit vier zuckersüßen Kindern kommt herein und es wird etwas wuselig. Doch irgendwann bekommen zwei der Mädchen die langen schwarzen Locken gebändigt und präsentieren stolz ihre Schönheit.

Seit meinem letzten Besuch im FriseurSALON gibt es viele neue Mitarbeiter. “Manchmal muss man eben Dinge ändern“ sagt Ali, nimmt die Schere und greift mir beherzt ins kupferfarbene Haar. „Ja“ sage ich „So ist das eben.“ Und wir reden noch lange über Fachkräftemangel in Deutschland, über das überstiegene Selbstbewusstsein so vieler junger Menschen und das wir uns mit unserer Geschichte nicht so leicht daran gewöhnen möchten.
TOCCA Friseur
Lietzenburger Straße 77
10719 Berlin

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