Sommer in Berlin. Schmerzhafte Erinnerungen.

Sommer in Berlin. Lietzensee.
Sommer in Berlin. Lietzensee.

Berlin zeigt sich jetzt von seiner kalten Seite. Regen, Dunkel, Grau, offenbart ohne sein schmeichelndes Grün noch ungeschminkter seine traurigen Seiten. Dazwischen all das Geblinker der meist so unschönen Weihnachtsdekorationen. Es ist Zeit, sich an den eben vergangenen Sommer zu erinnern. Ein Sommer, der so oft so weh tat.

Mit den Orten halte ich es wie mit Namen: ein schlimmes Erlebnis, eine Lüge und verletzte Gefühle. Der nächste Mensch mit genau diesem Namen hat keine Chance mehr bei mir. Den Ort meide ich bei meinen künftigen Aktionen. Doch das Leben lehrt Demut und Vergessen, selten jedoch Verzeihen. Und so arrangiere ich mich mit Menschen und Orten. In diesem Sommer vor allem mit den Orten. Bewusst habe ich zum Ende des Sommers noch einmal die Plätze aufgesucht, die als so schmerzhafte Erinnerung in mir sind.

Schleusenkrug

Zu Beginn muss ich einen Ort aus den unschönen Erinnerungen ausnehmen, den Schleusenkrug im Tiergarten. Hier saß ich in den Jahren zuvor oft und viel mit meinen Kollegen aus dem Waldorf. Spät am Abend und nach dem Dienst. Dick eingemummelt und sommerlich entspannt. Die Themen: fast ausschließlich die Arbeit. Aber trotzdem schön und irgendwie vereint. Mit dem Regisseur der ganzen philosophischen Filme war ich auch ein paar Mal da, aber ich war zu eingeschüchtert, um zu reden. In diesem Sommer war es dann wieder ganz entspannt. Mit einem Bier und einem sehr anregenden Gegenüber. Mit einem langen Gespräch über den eben beendeten Film, sehr egozentrisch seitens des Philosophen und trotzdem sehr anregend und informativ. Jetzt weiß ich zumindest, dass das 13. Sternzeichen Schlangenträger heißt und irgendwie genau auf mich passen könnte. Wenn ich daran glauben wöllte.

Und immer inmitten der ganzen Touristen und Businesstalks.

Café am Neuen See

Schwieriger da schon dieser Ort.

Eigentlich ist es wie ein Wohnzimmer für mich. Hier habe ich selten das Gefühl, es gäbe zu viele Touristen in der Stadt. Ich treffe da fast immer jemanden. Oder jemanden, der jemanden kennt. Zumindest habe ich da immer einen Gesprächspartner, geschäftlich oder privat. In diesem Sommer okkupierte ich ganz oft die letzte Bierbank-Reihe am Wasser. Mit schönen und heimlichen Momenten, schlecht schmeckendem Weißwein aus dem Bierglas (Karaffen gibt es da wohl nicht so viele) und herrlichen Albereien. Ich denke an Freundinnen, die so ungeschminkt über das Leben philosophieren können und nach der dritten Flasche Sekt noch immer den Kellner im lichten Wintergarten zu überreden versuchen, dass man jetzt in keinem Falle das Lokal schließen könne.

Doch die traurigen Erinnerungen überwiegen. Erinnerungen an einen heftigen Streit und grausames Schweigen.

Bootshaus Stella am Lietzensee

Der schwierigste Gang im späten Sommer jedoch war der in das Café am Lietzensee. Man sitzt hier so schön unter den alten Bäumen und schaut auf den See, an den Ufern sitzen und spielen und leben Familien, Verliebte, Obdachlose. Hier joggen die Unermüdlichen und die Feierlustigen lagern bis tief in die Nacht. Die selbstgemachte Ingwerbrause schmeckt, man hat jedoch magentechnisch danach gelegentlich so seine Probleme.

Hier sehe ich noch immer zwei Menschen sitzen, die ich sehr mochte und die sich dann Wort- und Erklärungslos aus meinem Leben gestohlen haben. Menschen zu verlieren, die man im Herzen hat, tut weh. Es ist wie ein kleiner Tod und man stirbt in der Erinnerung sein Leben lang daran immer wieder.

Ich habe mich noch einmal an einen der Tische draußen gesetzt und an all die schönen und zukunftsfrohen Gespräche gedacht. An die Pläne und Träume. Es ging um hoffnungsvolle Geschäfte und eine tiefe Verbundenheit. Und ich habe mich gefragt, woran die Verbundenheiten zerbrochen sind. Lag es an mir, an meiner Ungeduld?

Einen dieser Menschen habe ich zurückbekommen. Sogar ohne eine Bruchkante im Herzen.

Loretta am Wannsee

Ohne Worte fast. Einer der schönsten Sommerorte, die ich in der Stadt kenne. Mit den schönsten Augenblicken ever. Mit den herrlichsten Plätzen unter den hohen Bäumen und dem irgendwie leckersten Bier (das natürlich genau das Gleiche oder auch das Selbe ist wie an den anderen Orten). Im vergangenen Sommer erinnere ich dort eine Frau beachtlichen Ausmaßes mit einem wunderschönen Gesicht und sehr gut gekleidet. Sie aß einen Leberkäse und trank einen Weißwein und las in einem Buch, das sehr klassisch aussah. Sehr mondän und absolut erinnerungswert.

Doch die Menschen und Worte und Gespräche des vergangenen Sommers sind vergangen. Und werden auch nie wieder kommen.

Sommer in Berlin. Ausblick.

Vielleicht werden im kommenden Sommer wieder Menschen aus meinem Leben einfach gehen. Vielleicht werde ich aus dem Leben anderer Menschen herausbrechen. So ist das Leben. Doch wenn es irgendwie geht, dann könnte auch wieder jemand dazukommen. Der nicht geht.

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