Salon Moon. Das gelungene Erwachen einer Tradition

Salon Moon. Farbenfrohe Bilder treffen auf Klassik
Salon Moon. Farbenfrohe Bilder treffen auf Klassik

Der Salon Moon in der Gründerzeitwohnung am Olivaer Platz ist befreit von jedem alten Staub. Riesige farbenfrohe Bilder an den Wänden, Fotos von Moon Suk, ihrer Arbeit, ihrer Familie. Im Flur die verrückte Hutsammlung von Moon. Im Arbeitszimmer alte, hohe Bücherregale, unter den Schätzen zwei schöne Brockhaus Enzyklopädien. Im hellen Salon stehen 4 Stuhlreihen vor dem Flügel, auf dem überdimensionalen Sofa im Tigerlook verstreute Kissen, rote Papierballons in einer Ecke. An der Wand zwischen dem Durchgang zu Schlafzimmer und Küche eine niedrige, hell gesprengelte Marmorplatte, ich schätze ihre Maße auf gut 150 x 180 Zentimeter, wenn nicht noch größer. An einer Stelle am Rand ist etwas abgebrochen, Zeitspuren. Sie scheint alles zu sein: Blumentisch, Sitzbank, sofortiger Hingucker und ich habe den Herrn des Hauses auch einmal  darüber laufen sehen. Auf dem Balkon kunterbunte Blumen in solcher Zahl, das man kaum treten kann. Nichts scheint durchdacht und doch fühlt man sich sofort gut. Aufgehoben, in keinem Fall fremd.

Es sind ca. 20 Menschen, die sich an diesem Sonntag zu einem privaten Konzert im Salon Moon treffen. Fast jeder kennt die Gastgeberin, Hände werden herzlich geschüttelt, Umarmungen. Ich habe die Einladung von meiner Freundin Gundula bekommen, sie hatte Moon und ihren Mann erst kürzlich bei einem traurig zu feiernden Anlass kennengelernt. Wir beide waren gespannt, auf die Menschen, die einen solchen Anlass für sich wählen. Wir freuten uns auf die so seltenen Einblicke in privates Leben. Und natürlich wollten wir uns berauschen lassen von der schönen Kunst, von Melodien und Worten und Stimmen.

Moon Suk

Klein ist sie, zierlich, unermüdlich im Gespräch, immer in Bewegung. Das rosa Mieder sitzt perfekt und der pinkfarbene Tüllrock mit den darunter versteckten, ebenso farbenprächtigen hohen Sandaletten wollen ein wenig den Eindruck von einer zeitlos schönen Prinzessin aus einem asiatischen Manga vermitteln. Doch es täuscht: sie ist entspannt und dabei absolut perfekt, ganz sicher sehr beharrlich und diszipliniert in ihrer Arbeit und erfrischend unkonventionell. Einen Moment beobachte ich, in dem sie ganz kurz vor einem Regal verharrte, die Augen geschlossen, man spürte förmlich die tiefe Konzentration auf sich selbst. So einen Moment sah ich später noch einmal. Sie saß auf der Marmorplatte, ihr Mann führte die Gäste gerade in die nächsten Lieder ein. Wieder dieser reglose, tief konzentrierte Ausdruck auf dem unverwechselbaren Gesicht .

Wir haben uns später auch unterhalten. Es ging um das unbedingte Erlernen von Grundlagenwissen, ohne das man nie wirklich gut wird in seinem Tun. Sie erzählte uns, dass ihr Sohn auch gern so wie sie arbeiten möchte, mit den so unterschiedlich spannenden Projekten. Mit den vielen und immer wieder neuen Menschen. „Aber ich habe studiert…“ sagt sie „Erfahrungen gesammelt, mir die Dinge erarbeitet…“ Sie ist stolz auf ihre beiden Söhne, das merkt man. Und doch weiß sie, dass beide irgendwann eine Grenze fühlen, wenn sie ihre Basis nicht ausreichend bauen.

11 musikalische Werke in 11 Sprachen. Das Konzert.

Wenn Moon Suk singt, dann hat sie manchmal die Augen andächtig geschlossen. Ein schöner roter Mund gibt eine volle, reichhaltige Stimme frei. Es klingt warm und melodisch mit dramatischen Bewegungen. Drei Werke haben es mir besonders angetan: Das koreanische Lied von den Azaleen, die man seinem Liebsten trotzdem auf den Weg streuen soll, wenn er geht. Man merkt ihr die Heimat an: die Sprache und die Stimme sind absolut harmonisch in ihrem Gesang, rund und in sich geschlossen. Die vermeintliche Traurigkeit des Textes wandelt sich in der Musik in eine romantische Leichtigkeit.

Und dann singt sie meine Lieblingsarie „Das Lied an den Mond“ aus der Rusalka. Ich gestehe, dass ich es ohne jedes Beben und Dramatik in der Stimme lieber höre, doch auch die Interpretation von Moon Suk ist einzigartig. Sie verkörpert eine für mich ganz neue Sehnsucht, eine, die noch viel Hoffnung hat. Zum Abschluss die Carmen, die Wilde und Fordernde. Moon Suk gibt der ihren noch etwas Heiteres hinzu, sie bewegt sich leicht mit den schmalen Händen am langen Rock. Die Lieder zuvor hatten diese Bewegungen nicht. Sie steht ihr ausnehmend gut, die Carmen.

Jedes der 11 Lieder kommt in der Originalsprache daher. Begleitet werden sie abwechselnd von einer Gitarre und dem Flügel. Ihr Mann führt uns durch das Programm. Mit seiner so schön noch leicht schwäbelnden Stimme erzählt er uns die Inhalte der musikalischen Werke. Einige kenne ich noch nicht, so wie das melancholische „I saw my Lady weep“ für Gitarre und Sopran von John Dowland. Und auch eines der eher unbekannten Lieder von Rachmaninow war zu hören. Ein so schönes Schätzchen.

Koreanisch-Schwäbisches Tischbuffet

Kaum ist der letze Klatscher des verdienten Applauses verklungen, empfiehlt sich Moon in die Küche. Sie hatte uns bereits vor dem Konzert von den Köstlichkeiten erzählt, auf die wir uns freuen dürfen. Doch was warm auf den Tisch soll, dass muss erst mal warm gemacht werden. Und während Gundula und ich uns einen kräftigen schwäbischen Wein vom Hausherrn einschenken lassen und durch die Wohnung wandeln, wirbelt Moon durch die Küche, werden Teller und Platten und Schüsseln auf den schnell anstelle der Stuhlreihen aufgebauten langen Tisch gestellt. Wir plaudern mit diesem und jenem, mit uns. „Das hat alles meine Mutter gekocht, allein“ erzählt uns einer ihrer Söhne, der gemeinsam mit seinem Bruder den unkomplizierten Service erledigt. Es sind bestimmt an die 20 verschiedenen Gerichte, die wir zählen … Rote Bete Puffer, Kimchi in allen möglichen Variationen, ein sehr delikater Pak Choi Salat, Nudeln mit Soße, Fleischgerichte, Maultaschen und noch so viel mehr, dass ich nicht kannte und das grandios schmeckt. Im Salon Moon gibt es auch koreanische Kochkurse, erfahren wir noch.

Gundula und ich setzen uns mit unseren Tellern auf zwei Stühle am Fenster. „Eigentlich wollte ich nur zum Essen herkommen“, gesteht ein großer Herr. „Aber nach der Musik, da wäre ich erst einmal am liebsten hinausgegangen in den Frühling und hätte es gern ein wenig auf mich wirken lassen. So schön war es einfach“ Später schauen wir ihm über die Schulter, während er auf einem Block die Menschen um sich mit sicherem Blick und klarem Strich proträtiert.

Zu uns gesellt sich die junge Pianistin Imke Lichtwark. Sie hat ein hervorragendes Gespür für Musik und ein wunderbares Spiel. Sie ist sehr ruhig und erwachsen, völlig unprätentiös und trotzdem schon jetzt eine Persönlichkeit.

Das Gesamtkunstwerk Moon Suk

Moon Suk hat erst den pinkfarbenen Tüllrock gegen eine Kochschürze getauscht, später mischt sie sich unter ihre Gäste in einem Rock in dunklem Pink und einer türkisfarbenen Jacke, die an Madame Chanel erinnert. Sie hat für jeden ein Wort, einen persönlichen Satz. Sie hört zu, sie ist aufmerksam. Egal, was Moon Suk trägt und tut und sagt und macht. Es ist ein unbedingtes Erlebnis. Moon Suk wird von den Medien als Gesamtkunstwerk beschrieben. Nach diesem Nachmittag kann ich das mit all seinen Fasetten bestätigen.

Ich komme nicht wirklich dazu, die Menschen um mich herum zu beobachten, wie ich es so gern tue. Ich bin gefangen von der Atmosphäre im Salon Moon und seiner herausragenden Salondame. Es war der beste Salon, den ich bislang erleben durfte. Weil es wirkliche Gastgeber gab, die interagierten. Weil es Menschen gab, die miteinander sprachen, auch ohne sich zu kennen.

#Salon Moon #SalonkulturBerlin #MoonSuk

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