COSMO Radio … der neue Beifahrer

Fernsehturm

Montag Morgen, kurz nach Sieben, mit dem Auto auf dem Weg in die Stadt, aus den Boxen belebt mich COSMO radio.  Die Kleinstädtigkeit des Berliner Speckgürtels liegt hinter mir. Die Lust auf Berlin wächst. Wie immer, wenn ich für eine gefühlt lange Zeit nicht in der Stadt bin. Ich lausche einer mir unbekannten Version von Bobby Hebb`s „Sunny“. Ich bin auf dem Weg zu meinem Termin in die Jägerstraße, Nähe Gendarmenmarkt. Vor und hinter und neben mir weitere Wagen mit maximal einem Insassen, sicher auf dem Weg in ein Büro, ein Ladengeschäft, auf eine Baustelle.

Pankow, am Rand von Berlin

Die A114, der sogenannte Pankow Zubringer, mündet direkt in die Prenzlauer Allee. Die Straße ist mehrfach geflickt, seit Jahren schon. Wann immer ich Sie jetzt nutze erinnere ich die Zeit vor 1990 in der DDR. Es liegt nicht daran, dass der Belag wohl noch aus dieser Zeit stammt. Es liegt an einem Telefonat, das ich dort vor Jahren einmal führte mit einem Menschen, der diese Zeit wie ich aus seinem Erleben kennt. Ich bin weltoffen und liebe diese neue Zeit. Aber auch die davor hatte mehr als genug lebenswertes und ich denke daran mit Liebe. Pankow als Stadtteil mag ich nicht, manchmal scheint mir dort die Zeit irgendwie stehen geblieben oder weil ich da einfach Berlin nicht so fühlen kann. Man muss es sagen dürfen.

COSMO Radio

Den Sender habe ich quasi neu entdeckt und seit drei Monaten begleitet er mich tagsüber recht oft. Ehemals „Funkhaus Europa wird der Sender nun von WDR, Radio Bremen und rbb produziert. Ich mag die Musik. „Der Sound der Welt“, so die Eigenwerbung.  Ich mag den cosmopolitischen Gedanken in diesem Programm. Und immer wieder gibt es bekannte und gute Lieder in einem neuen oder zumindest von mir noch nicht gehörten Gewand. Dass die Moderatoren nicht in Berlin sondern eher in Bremen und Köln sitzen stört mich nicht. Es ist sogar spannend, etwas vom Puls einer anderen Stadt zu spüren.

Prenzlauer Berg

Der schönste Moment bei der Fahrt den sich so lang ziehenden Berg hinunter ist der, an dem der Fernsehturm ins Blickfeld rutscht. Ansonsten ist mir der Prenzlauer Berg irgendwie egal. Er ist mir langweilig geworden. Der Fahrradweg neben der Straße ist gut gefüllt. Ich beobachte die „ordentlichen“, behelmten Fahrer, die an jeder roten Ampel brav warten. Frauen im mittleren Alter sind darunter, junge Männer mit Aktentasche und Väter und Mütter mit behüteten Kindern auf dem Sattelsitz. Dann gibt es die eher unbeschwerten, denen die Farbe der Ampel egal ist und die Berlin als eine Stadt für sich beschreiben, in dem Gesetze und Regeln eben einfach nicht gelten.

„Good News“

Noch nicht so lange gibt es sie, die „Guten Nachrichten“. Die Aktion von COSMO Radio will uns zeigen, dass es neben den bestimmenden Traffic erzeugenden Schlagzeilen auch „Good News“ umgeben, gar nicht mal so wenige. Heute ist es der Hinweis, dass doch immer mehr Menschen eine Krebserkrankung überleben. „Gut“ denke ich, kann ich die nächste Zigarette mit weniger schlechtem Gewissen genießen. Und wieder ein schönes Lied … „Anatoli“ Griechisch. Herrlich. Könnte ich doch mitsingen, mir fehlt der Text. 

Berlin Mitte

Der Alex ist mittlerweile einer der hässlichsten Plätze in der Stadt. Für mich komplett ohne Eigenleben, ohne Gefühl, Touris. Wo ist Berlin? Bloß schnell weiter … Ich hatte mich schon über den langen Stau gewundert, ein dicker Unfall an der Kreuzung Karl-Liebknecht / Torstraße ist der Verursacher. Kein Krankenwagen mehr, nur das schrecklich entzweite Auto noch und Polizisten bei der Arbeit. Ein Feuerwehrwagen auch, Der zweite Wagen?? Weiter geht es, der Berliner Dom und der Neubau des Berliner Schlosses kommen in Sicht. Die Straße wird einspurig und wieder zweispurig und man schlängelt ständig zwischen Baustellen-Absperrungen. Die ganze Allee „Unter den Linden“, seit Jahre eine einzige Baustelle. Verspätet natürlich. Die U5 soll hier irgendwann neu fahren. Ich liebe den Anblick der edlen Gemäuer rechts und links der Straße. Der Neubau des Berliner Schlosses. Ich liebe es, auch wenn ich mir in der Diskussion, ob der Palast der Republik hätte stehen bleiben sollen, nie ganz klar war. Humboldt Uni. Ach, dieser Bücherflohmarkt da vor dem großen schwarzen Zaun! Die Bertelsmann Vertretung in der Alten Kommandantur. Ich erinnere, bei der Grundsteinlegung dabei gewesen zu sein. Happening auf Glasstegen über den historischen Ausgrabungen. Die Staatsoper, im Originalrosa nun wieder. Eva … wollen wir mal hin?

Angekommen

Noch ein wenig nach links schlängeln bis hin zur Jägerstraße. Verdammt, ich muss parken … und zahlen. 3 € pro Stunde. Berlin ist irre. Noch habe ich zehn Minuten. Und dann kommt dieses schlimme Lied „Meine Soldaten“ von MAXIM. 10 Minuten zum Zuhören und Weinen. Berlin ist trotzdem schön. COSMO Radio auch, trotzdem.

 

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